Design Pur – Interview mit Christian Seisenberger


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Christian Seisenberger / Gründer von Janua

 

 

„Wir sind mit Angeboten übersättigt, jeder besitzt
viel zu viel. Es geht uns um bewussten Konsum.
Es geht nicht darum, wie viel du hast, sondern
welchen Bezug du dazu entwickelst.”

 


Gibt es bei Janua guten oder schlechten Geschmack?

Es wäre vermessen, darüber zu entscheiden. Nicht alle, die auf Janua Möbel stehen, haben den besseren Geschmack. Für mich definiert sich Geschmack über den Bezug, den der Einzelne zu seinen Objekten hat. Die Kommode vom Groß- vater ist ein Erbstück von unschätzbarem Wert. Da geht es nicht um guten oder schlechten Geschmack. Es geht nicht darum, wie viel Du hast, sondern welchen Bezug Du dazu entwickelst.

Das passt ja zum puristischen Design von Janua ...

Wir verwenden immer die einfachste Form, z.B. für das Sideboard einen rechteckigen Korpus und für einen Tisch zwei oder vier Beine. Ich sehe Möbel als sehr urtypisches Phänomen, früher saßen wir auf Steinen und Baumstämmen, heute auf Stühlen und Bänken. 

Also zählt nur die Funktionalität?

Keineswegs, Möbel sind für mich Liebhaber-Objekte. Im Unterschied zu früher genießen wir heute Möbel als Luxus-Artikel, zur Dekoration. Das ist aber gerade das Problem, wir sind mit Ange- boten übersättigt, jeder besitzt viel zu viel. Es geht mir um bewussten Konsum.

Was zeichnet Janua neben seinem Purismus noch aus?

Unsere Kunden finden es toll, dass wir immer einen Schritt vorausdenken: Wir planen während der Materiallieferung, und während der Fertigung überlegen wir, wie wir die Möbel transportieren. Diese Dynamik zeichnet Janua aus. Dazu kommt eine Fülle unterschiedlicher Materialien und Kombinationen: Massivholz mit HPL, mit Leder, mit Stoff, mit Stahl.

 

 

 

 

Wir haben einen großen Koffer, mit dem der Verbraucher spielen kann. Das ist so ein bisschen das Geheimnisvolle an uns, wir können uns immer wieder in einem neuen Licht zeigen.

Das gilt auch für die neue Ausführung Sägerau ...

Da wollen wir zeigen, wie rau und ursprünglich Holz wirklich ist, und wie surreal es ist, daraus eine glatte Oberfläche zu schaffen. Es geht um die Reduktion auf das Wesentliche, auf das, was wir brauchen. Früher war jedes Astloch ein Fehler, heute weiß jeder, dass es solche Bäume gar nicht gibt und das es mit dazu gehört.

Aber ist raues Holz nicht zu unpraktisch?

Natürlich mussten wir die Oberfläche aus funktionalen Gründen behandeln, aber die raue Optik ist geblieben.

Wie habt ihr das hinbekommen?

Wir haben einfach geschliffen, geölt und wieder geschliffen und wieder geölt. Das gibt’s so nur einmal, da steckt sehr viel Handarbeit drin. Nur die menschliche Hand kann Holz diese Optik und Haptik verleihen. Wir machen das mit zwei Hölzern, Eiche und Nussbaum – andere Farbtöne wären sich zu ähnlich, man braucht einen helleren Ton, Eiche bietet sich da als das archaische Holz förmlich an und Nussbaum ist dazu ein dunkler Kontrast.

Welche Erwartungen hast Du an die imm cologne?

Ich denke, das Thema Sägerau wird gewisse Wellen schlagen. Wir hatten in München und Wien einen sehr großen Zuspruch von den Verbrauchern. Ich bin gespannt, wie das Fachpublikum hier auf der imm cologne reagiert.